Indian
Summer:
Jetzt geht's los - Festival der Herbstfarben
Im Oktober stellt sich der
Garten schon langsam auf den Winter ein, auch wenn es oft noch sonnige
und warme Tage gibt. Viele Pflanzen beeindrucken in diesem Monat mit prachtvollen
Herbstfarben. Wer bei der Gartenplanung auch die dritte Jahreszeit im
Blick hatte und Herbstfärber gepflanzt hat, wird nun reich belohnt:
Die Blätter dieser Pflanzen scheinen in der Herbstsonne fast zu glühen
und leuchten in vielen Nuancen.
Kluge Pflanzen
Die prachtvolle Farbveränderung
ist die Folge der Vorbereitung auf die kalten Wintermonate. Mit dem herbstlichen
Laubfall schützen sich die Pflanzen vor Trocken- oder Kälteschäden
im Winter. Nadelbäume sind zumeist immergrün, weil ihre Nadeln
besser gegen tiefe Temperaturen gewappnet sind: Sie haben, anders als
die Blätter der sogenannten sommergrünen Laubgehölze, eine
relativ kleine einzelne Blattoberfläche und eine dicke Wachsschicht.
Beides trägt dazu bei, die Verdunstung zu reduzieren. Laubgehölze
würden wegen der meist größeren Blätter im Winter
viel zu viel Wasser verdunsten. Dieser Wasserverlust kann bei gefrorenem
Boden nicht ausgeglichen werden - die Blätter und dann auch die Pflanze
würden vertrocknen. Um das zu vermeiden, werfen viele Laubgehölze
im Herbst ihre Blätter ab, nachdem sie ihnen wichtige Nährstoffe
entzogen haben. Diese werden von den Pflanzen gespeichert und stehen im
nächsten Jahr wieder für die neuen Blätter zur Verfügung.
Beim Entzug der Nährstoffe im Herbst wird der grüne Blattfarbstoff,
das Chlorophyll, abgebaut. Dadurch werden bei manchen Bäumen und
Sträuchern andere im Blatt vorhandene Farbpigmente sichtbar. So entstehen
die schönen Herbstfarben von Laubgehölzen wie Ahorn (Acer),
Fächerblattbaum (Ginkgo), Linde (Tilia), Korkflügelstrauch (Euonymus
alatus) und Glanzblattstrauch (Photinia villosa).
Die Folgen der Eiszeit
Die Herbstfärbung ist
nicht in jedem Jahr bei jeder Pflanze gleich. Die Stärke der Ausprägung
hat häufig mit der Witterung zu tun, denn sonnige warme Tage und
kühle Nächte fördern oft die Farbintensität. In den
Wäldern an der Ostküste Nordamerikas ist die Farbenpracht im
Herbst besonders beeindruckend. Dort lockt der "Indian Summer"
unzählige Touristen an. "Indian Summer" bezeichnet - ähnlich
wie der deutsche Begriff Altweibersommer - eine warme und sonnige Phase,
die wie ein spätes Aufflackern des Sommers im Herbst wirkt. Die Farbveränderung
der Laubgehölze ist in hiesigen Wäldern nicht so ausgeprägt
wie in Nordamerika. Dass die Pracht dort deutlicher ist, liegt an der
großen Artenvielfalt, die in den dortigen Wäldern anzutreffen
ist. In Europa haben die Eiszeiten viele Gehölzarten verdrängt,
in Nordamerika hatten sie bessere Überlebenschancen: Die Rocky Mountains
verlaufen von Nord nach Süd und so konnten die Pflanzen den Eismassen
aus dem Norden "ausweichen". In Europa dagegen war das nicht
möglich, denn die europäischen Gebirge, wie die Alpen und die
Pyrenäen, verlaufen in Ost-West-Richtung. Sie versperrten deshalb
vielen Gehölzen den Weg in den wärmeren Süden.
Feuriges Finale
Die herbstliche Farbenvielfalt
der Ahorne ist besonders faszinierend. Ihr Spektrum reicht von leuchtendem
Gelb und feurigem Orange bis hin zu kräftigen Rot- und Purpurtönen.
Farben und Farbverläufe hängen von der Art oder Sorte ab. Der
wenig bekannte Glanzblattstrauch ist ebenfalls sommergrün. Er hat
eine feurig orangefarbene bis scharlachrote Herbstfärbung. Deshalb
wird dieser große Strauch manchmal auch Scharlach-Glanzmispel genannt.
Bei manchen Herbstfärbern ist nur eine Farbe besonders gut ausgeprägt.
Der Korkflügelstrauch zum Beispiel, von dem es auch eine kleinbleibende,
nur etwa einen Meter hohe Sorte - Euonymus alatus 'Compactus - gibt, hat
leuchtend karmin- bis purpurrote Blätter. Die Blätter des Fächerblattbaums
leuchten in frischem Goldgelb, während die Gelbtöne der Lindenblätter
ganz unterschiedlich sind.
Auch Stauden tragen zum Festival
der Herbstfarben bei. Die Fetthenne (Sedum) ist eine wasserspeichernde
Staude, die gut an trockenen Standorten gedeiht. Ihre schönen, sternförmigen
kleinen Blüten sind bei Bienen und Schmetterlingen beliebt. Manche
Fetthennen blühen sehr spät im Jahr, Sedum 'Herbstfreude' zum
Beispiel sogar noch im Oktober. Diese Staude hat schöne, bläulichgrüne
Blätter und unzählige rostrote Blütensternchen. Sie stehen
dicht an dicht und sind deshalb nicht zu übersehen. Wegen des rötlichen
Farbtons passt diese Sorte im Herbst wunderbar in einen Garten oder auf
einen Balkon. Die schirmartigen Blütenstände vieler Sedumarten
sollte man nicht nach der Blüte abschneiden, denn sie sind auch im
Winter mit Raureif oder einer Haube aus Schnee sehr interessant.
Es lohnt sich, darauf zu achten,
welche Bäume, Sträucher und Stauden zur herbstlichen Farbenpracht
beitragen und dies bei der Auswahl in der Baumschule oder im Facheinzelhandel
zu berücksichtigen. Nach dem Laubfall ist die beste Zeit zum Pflanzen,
denn die Temperaturen sind nicht mehr so hoch wie im Sommer und Bäume,
Sträucher und Stauden können noch bis zum Winter neue Wurzeln
bilden. PdM
Interessant
zu wissen - rund um die Pflanzen des Monats Oktober
Ahorne für den Winter
Manche Ahorn-Arten beeindrucken besonders im Winter mit ihrer dekorativen
Rinde. Die des Rostbart-Ahorns (Acer rufinerve) beispielsweise hat zierende
weiße Längsstreifen. Er gehört zu den sogenannten Schlangenhaut-Ahornen,
deren gemeinsames Merkmal eine eigenwillig gemusterte Rinde ist. Auch
der Streifen-Ahorn (A. pensylvanicum) mit weißen Längsstreifen
auf glatter, hellgrüner Rinde zählt zu dieser Gruppe. Ganz anders
dagegen der malerisch wachsende, seltene Zimt-Ahorn (A. griseum): Er hat
eine zimtbraune Rinde, die sich in großen, dünnen Streifen
vom Stamm und von den Ästen ablöst. PdM
Ausdrucksstarker Ahorn-Adel
Japanische Ahorne haben zierlichere Blätter als der Spitz- und der
Berg-Ahorn. Die eleganten, filigranen Japanischen Fächer-Ahorne (Acer
palmatum in Sorten) gehören gewissermaßen zum Hochadel der
Gartenpflanzen. Diese kleinen Ahorne faszinieren mit fächerförmigen,
manchmal sehr stark geschlitzten Blättern in den verschiedensten
Grün- oder Rottönen. Jedes Blatt ist ein kleines Meisterstück
von erlesener Schönheit. Im Herbst beeindrucken sie mit einem Feuerwerk
der Farben von leuchtendem Goldgelb über kräftiges Orange bis
hin zu dunklem Rot. Weil das Sortiment der Japanischen Ahorne sehr umfangreich
ist, lässt sich für jede Gartengröße ein passender
Ahorn finden. Manche dieser zumeist langsam wachsenden Gehölze können
auch in sehr kleinen Gärten, Innenhöfen und in Pflanzgefäßen
wachsen. PdM
Bäume mit Auszeichnung
Der in den Gebirgsregionen Mitteleuropas heimische Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)
war im Jahr 2009 der "Baum des Jahres". Dieser Ahorn kann 30
Meter hoch werden und hat eine prachtvolle goldgelbe Herbstfärbung.
Schon 1995 war der sehr ähnliche Spitz-Ahorn (Acer platanoides )
"Baum des Jahres". Er wird 20 bis 30 Meter hoch. Es gibt von
diesen beiden Arten kleinere Sorten. Der Ahorn 'Globosum' (Acer platanoides
'Globosum') zum Beispiel wird nur etwa 6 Meter hoch und hat, wie der Name
schon andeutet, eine von Natur aus mehr oder weniger rundliche Krone.
PdM
Vielseitige Ahorne
Ahorne sind eine sehr wichtige und große Gehölzgruppe. Es gibt
über 100 verschiedene Arten und unzählige Sorten. Die herbstliche
Farbvielfalt der Ahorne ist besonders faszinierend. Viele Ahorne haben
handförmig gelappte Blätter. Ein solches Ahornblatt findet sich
auch auf der Flagge Kanadas. Aus dem in Kanada wachsenden Zucker-Ahorn
(Acer saccharum) wird der berühmte Ahorn-Sirup gewonnen. Durch Kochen
entsteht aus dem zuckerhaltigen Pflanzensaft der dickflüssige Ahorn-Sirup,
der gerne zum Süßen von Pfannkuchen und Eis verwendet wird.
In Europa werden Ahorn-Bäume wegen ihrer schönen Blätter,
ihrer interessanten Rinde, ihrer auffallenden Herbstfärbung oder
ihrer ansprechenden Wuchsform gepflanzt. Weil es so viele verschiedene
Ahorne gibt, lassen sich auch für kleine Gärten schöne
Sorten finden. Manche Ahorne können sogar in Gefäße gepflanzt
werden. PdM
Ein Nadelbaum, der wie ein
Laubbaum aussieht
Wegen der fächerförmigen, lang gestielten Blätter sieht
der Ginkgo wie ein Laubbaum aus. Aus botanischer Sicht gehört er
aber nicht zu dieser Pflanzengruppe, denn er entstand schon viele Millionen
Jahre bevor sich die ersten Laubbäume überhaupt entwickelten.
Wer in einem Pflanzenkatalog blättert, wird den Ginkgo deshalb auch
nicht immer bei den Laubgehölzen finden, sondern bei den Nadelgehölzen,
denen er botanisch näher steht. PdM
Ein Baum aus der Urzeit
Der Ginkgo gilt als "lebendes Fossil", ein Begriff, der von
dem Evolutionsforscher Charles Darwin geprägt wurde. Damit bezeichnete
er Pflanzen, die schon seit vielen Millionen Jahren existierten und deren
Gestalt sich in all der Zeit kaum verändert hat. Den Ginkgo gab es
schon zu Zeiten der Dinosaurier und er ist gar nicht so exotisch, wie
man auf dem ersten Blick meinen könnte: Ursprünglich war der
Baum in Europa heimisch. Die Eiszeiten haben dazu geführt, dass der
Ginkgo hier ausgestorben ist. Er überlebte die Kälteperioden
jedoch in Ostasien. PdM
Ein Baum mit außergewöhnlicher
Kraft
Der Ginkgo ist ein sehr langlebiger Baum. Es gibt in China Exemplare,
die über 1.000 Jahre alt sind. Dieser Baum ist auch außerordentlich
robust und sehr widerstandsfähig gegenüber Schädlingen
und mit Schadstoffen belasteter Großstadtluft. Seine Widerstandskraft
machte ihn zu einem Symbol für Lebenskraft und Energie. Der Ginkgo
gilt auch als ein Zeichen der Hoffnung, denn einzelne Bäume haben
sogar eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit
überstanden: Nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima im August 1945
war ein Ginkgo der erste Baum, der inmitten des am stärksten zerstörten
Teils der Stadt im Frühling 1946 wieder austrieb. PdM
Erfolgreicher Rückkehrer
Nachdem der Ginkgo wegen der Eiszeiten in Europa ausgestorben war, gelangte
er um 1730 aus dem Fernen Osten wieder in die hiesige Region zurück.
Sein eigenwilliges Erscheinungsbild und das damals große Interesse
an neuen, exotischen Pflanzen führten dazu, dass dieser Baum schnell
Furore machte und gerne in herrschaftlichen Gärten gepflanzt wurde.
Auch in Künstlerkreisen fand der Ginkgo wegen seiner einzigartigen,
wie Fächer geformten und markant geaderten Blätter viel Beachtung.
Das Ginkgo-Blatt wurde deshalb im Jugendstil oft als Ornament verwendet;
es fand sich auf Hausfassaden und diente als Vorlage für Schmuckstücke.
PdM
Goethes Lieblingsbaum
Goethe, der große deutsche Dichter und Gelehrte, hat dem Ginkgo
im Jahr 1815 ein Gedicht gewidmet, das den Bekanntheitsgrad dieses Baumes
erheblich steigerte. Daher ist es auch naheliegend, dass ein Museum, das
sich mit all den spannenden Facetten des Ginkgos befasst, in der Goethestadt
Weimar gegründet wurde. PdM
Namensvielfalt
Der Ginkgo ist ein Baum mit vielen Namen. Sogar die Schreibweise ist variabel,
denn seit der Rechtschreibreform ist auch die Variante "Ginko"
zulässig. Botanisch heißt dieser Baum mit vollem Namen Ginkgo
biloba. Der Gattungsname Ginkgo geht zurück auf eine fehlerhafte
Übersetzung von Ginkyo aus dem Japanischen für Gin = Silber
und für kyo = Aprikose, denn die Früchte der weiblichen Ginkgos
ähneln Mini-Aprikosen. Die Bezeichnung biloba bezieht sich auf die
Zweilappigkeit der Blätter. Darüber hinaus hat der Ginkgo noch
viele andere Namen wie Mädchenhaarbaum, Goethebaum, Goldfruchtbaum,
Weltenbaum, Chinesischer Tempelbaum, Silberaprikose und - wegen der besonderen
Blattform - auch Elefantenohr- und Entenfußbaum. Der Ginkgo ist
auch unter dem Namen Jahrtausendbaum bekannt, denn zum Jahrtausendwechsel
wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: Er erhielt den Ehrentitel "Baum
des Jahrtausends", unter anderem wegen seiner beeindruckenden Vergangenheit
und seines großen Potentials für die Zukunft. PdM
Vielseitige Linden
Linden sind schöne und vielseitige Bäume. Als Bienenweide sind
sie bei Imkern sehr beliebt. Traditionell wird Lindenblütentee bei
Erkältungen eingesetzt. Einst wurde sogar der Bast aus der Rinde
der Lindenbäume genutzt, unter anderem als Bindematerial und für
Matten, Seile oder andere Gebrauchsgegenstände. PdM
Eindrucksvolle Linden
Linden können sehr alt werden. In einem Arboretum im englischen Westonbirt
steht eine Linde, die rund 2.000 Jahre alt sein soll. Die "Riesenlinde
zu Heede" im Emsland gilt als dickster Baum Deutschlands und ist
wahrscheinlich etwa 600 Jahre alt. Sie wurde vermutlich im 15. Jahrhunderts
gepflanzt und wuchs im Hof einer alten Burganlage, die um 1670 zerstört
wurde. Die wohl damals schon eindrucksvolle Linde wurde dabei auf Befehl
des Heerführers vor der Zerstörung bewahrt. PdM
Tanz- und Gerichtslinden
Linden spielen in deutschen Mythen und Märchen eine große Rolle.
Für die Germanen waren Linden heilige Bäume, die der Liebesgöttin
Freya geweiht waren. Linden hatten auch später für die Menschen
eine besondere Bedeutung. Sie galten als Symbol für Heimat und Schutz,
an Tanzlinden traf sich die Dorfgemeinschaft zum Feiern und unter großen
alten Linden wurde Recht gesprochen. PdM
Ein Baum als Namensgeber
Viele Straßen wurden nach Linden benannt, die bekannteste dürfte
"Unter den Linden" in Berlin sein. In Ortsnamen wie Lindau und
Lindeck erkennt man noch die Herkunft. Auch der Name Leipzig geht auf
Linden zurück: Er hat seinen Ursprung im sorbischen Wort Lipsk. Es
bedeutet so viel wie "Linden-Ort" oder "Ort bei den Linden"
und findet sich auch in dem tschechischen Namen Lipsko für die Stadt
Leipzig wieder. PdM
Linden und die weißen
Pferde von Wien
Der Name der weltberühmten Lipizzaner aus der Spanischen Hofreitschule
in Wien steht mit Linden in Zusammenhang: Diese edle Pferderasse wurde
anfangs nur in dem slowenischen Gestüt Lipica (italienisch Lipizza)
an der slowenisch-italienischen Grenze in der Nähe von Triest gezüchtet.
Die Bezeichnung Lipica geht auf Lipa - das slowenische Wort für Linde
- zurück. PdM
Der Staudenstar des Jahres
2011
Die Fetthenne (Sedum) ist die Staude des Jahres 2011. Diese Stauden sind
sehr vielgestaltig und eignen sich für ganz unterschiedliche Verwendungszwecke,
zum Beispiel für Beete, für Gefäße oder sogar zur
Begrünung von Dächern. Fetthennen sind robust und pflegeleicht.
Ihre Blütenfarben reichen von Weiß über Gelb und Rosa
bis hin zu kräftigem Rot. Die Blütezeit variiert und manche
Sorten blühen sogar noch im Oktober. Der Name Fetthenne geht darauf
zurück, dass diese Stauden dickfleischige Blätter haben, in
denen sie Wasser speichern.
Text und Foto: PdM
Weitere Informationen finden Sie unter www.colour-your-life.de
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