Gärten
- Vergnügen für die Sinne
(GMH)
Ein Gang durch den Garten, das ist Vergnügen für die Sinne.
Die Augen dürfen schauen, entdecken Farben und Formen, nehmen Details
wahr: Die sich gerade öffnenden Blüten des Portulakröschens
hier, die glitzernden Tröpfchen auf den Ähren des Lampenputzergrases
dort, das Farbenspiel aus verschiedenen Rot-tönen, Purpur, Violett
und Cremeweiß, das die Sommerblumen aufführen. Hektik entsteht
nicht beim Blick in den Garten. Selbst wenn nur ein wenig Zeit bleibt,
entspannt der Anblick des Grüns. Natürliche Farbenfülle
wird nie Überfülle, so wie das im Lichtgeflimmer von Stadt,
Kaufhaus, Supermarkt allzu häufig der Fall ist.
Auch die Geräusche des
Gartens stimmen ruhig: Das Zwitschern der Vögel, das gemütliche
Brummen der Bienen und Hummeln, das sanfte Rascheln der Gräser. Oft
durchdringen diese Töne gar nicht die Schwelle zum bewussten Hören.
Sie bleiben Hintergrundmelodie, die beruhigt und heiter stimmt. Nur das
lästige Brummen des Rasenmähers reiht sich ein in die sonst
so alltägliche Geräuschkulisse aus Motorengedröhn, Maschinenlärm
und Geschrei.
Balsam für die Seele sind auch die Düfte des Gartens. Selbst
schwache Aromen, die das Gehirn noch lange nicht identifizieren kann,
nehmen Einfluss auf die Psyche. Schon der schwache Duft von frisch gemähtem
Rasen, ein Hauch der würzigen Gerüche von Salbei und Thymian
verleiten zum tiefer Durchatmen. Intensiver aber wird das Sinneserlebnis,
wenn das Gesicht sich über die Rose beugt und der süße
Duft direkt in die Nase steigt. Die Reize, die das auslöst, werden
direkt an das limbische System, das Zentrum der Emotionen im Gehirn weitergeleitet.
Dort lösen die Pflanzendüfte Gefühle von Freude und Wohlbehagen
aus.
Fehlt nur noch das Fühlen, der Tastsinn. Der Wind in den Haaren,
die Sonne im Gesicht, die Kühle des Schattens, auch sie wirken auf
die Sinne ein. Ein bisschen Gartengefühl teilt sich selbst den durch
die Schuhe behinderten Füßen mit. Dürfen sie barfuß
gehen, nehmen sie weichen Rasen, kühle Erde und warme Steinplatten
wahr. Die Finger gehen nur selten zweckfrei im Garten auf Wanderschaft.
Dabei ist es so schön, ein-fach mal zu fühlen, wie kühl
und glatt die Blätter der Drachenflügel-Begonie durch die Finger
gleiten, wie klebrig sich Petunienblätter anfühlen oder zu erleben,
das der Raue Sonnenhut seinen Namen zurecht trägt.
Sanft stimuliert wird der Tastsinn durch das behutsame Fühlen. Reizüberflutung,
wie am Arbeitsplatz, in der Stadt, vor Fernseher oder Computer gibt es
im Garten nicht. Dazu sind die Gestalten von Bäumen und Büschen,
von Gräsern und Blüten auch viel zu vertraut. Langweile kommt
trotzdem nicht auf. Die natürlichen Elemente des Gartens zeigen sich
immer wieder neu und anders. Schließlich heißt es nicht umsonst:
"Niemand geht zweimal in den selben Garten".
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