Gezähmte
Wildheit: Der Garten lebt!
Artenvielfalt im Ziergarten
Ein Tag im Garten: Bunte Schmetterlinge
tanzen über duftende Blumenbeete, munter zirpen Heuschrecken zwischen
hohen Gräsern, Vögel zwitschern in den Bäumen. Mitten drin:
Der Gartenbesitzer. Hier fühlt er sich wohl! Denn je vielfältiger
und natürlicher unsere Umwelt ist, desto besser können wir uns
entspannen und es uns rundum gut gehen lassen. Ein klinisch reiner Zierrasen
allein kann dies kaum bieten. Vielmehr schafft ein abwechslungsreich gestalteter
Garten mit Farben, Formen und Düften eine wahre Oase der Sorten-
und Artenvielfalt mit hohem Erholungswert. Der Reiz des naturnah gestalteten
Gartens: Wie in der freien Natur wächst hier eine Fülle an Stauden
und Gehölzen. Naturkräfte und gestalterisches Wirken ergänzen
sich zu einem natürlich wirkenden Kunstwerk. Ein solcher Garten ist
ein Spielfeld für Gartenbesitzer mit Mut zur geplanten Wildheit,
die weder millimetergenaues Schnippeln noch die chemische Keule wollen,
sondern für die die Devise gilt: "Leben und leben lassen"
und die den eigenen Garten als Lebensraum genießen!
Ordnung im Chaos
Der Natur einen Teil der Regie
zu überlassen, heißt aber nicht, dass alles wild durcheinander
wuchert! Gärten sollten in erster Linie Gärten bleiben und sich
nicht in Wildbiotope verwandeln: Manche Wildkräuter etwa machen sich
- wenn man sie lässt - schnell breit und können so tatsächlich
bald lästig werden. Eine naturnahe Gartengestaltung und -pflege bedeuten
also nicht völligen Verzicht auf notwendige, lenkende Eingriffe,
sie stehen vielmehr für das Arbeiten mit den Gesetzen der Natur und
nicht gegen diese. So braucht auch ein Naturgarten Pflege, vor allem in
den ersten Jahren. Ganz wesentlich für den Naturgarten ist die Verwendung
standortgerechter Pflanzen. Denn wenn Pflanzen nicht das bekommen, was
sie brauchen und daher zu schwächeln beginnen, greift der Laie in
Verkennung der eigentlichen Ursachen unter Umständen zur Chemie.
Dies ist ebenso schädlich wie vermeidbar und bringt den Kreislauf
des Gartens komplett durcheinander! Besser ist es, sich vorher über
die Ansprüche der Pflanzen zu informieren oder die Gartenanlage am
besten gleich in die erfahrenen Hände von Landschaftsgärtnern
zu geben: Sie sind auch in Sachen naturnaher Ziergarten die Experten.
Denn die Balance zwischen Eingreifen und Abwarten, Gestalten und Wachsenlassen
erfordert nicht nur sichere Kenntnis der Zusammenhänge, sondern auch
Sensibilität und sorgfältiges Beobachten. Geschickt zusammengestellte
Pflanzen unterdrücken das Aufkommen und die Ausbreitung von Unkräutern
und bilden nach dem Vorbild der Natur ein harmonisches Ganzes.
Friedliches Miteinander
Zum Naturgarten gehören
eine Blumenwiese sowie heimische Bäume und Sträucher. Um aus
einem Rasen eine Wildblumenwiese zu machen, sollte er nicht gedüngt
werden, denn die meisten Wiesenblumen bevorzugen magere und nährstoffarme
Böden. Landschaftsgärtner arbeiten deshalb häufig Sand
in den Boden ein. Anders als ein kurzgeschorener und rein grüner
Rasen ist eine solche Wiese ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche
Tiere. Gehölze wie Weißdorn, Holunder und Eberesche locken
darüber hinaus Vögel und ernähren diese, insbesondere im
Winter. Zwischen den Zweigen einer Laubhecke finden Igel & Co. dankbar
Unterschlupf - in einem naturnahen Garten fühlen sich eben alle wohl!
Hier ist was los!
Vor allem Staudenbeete, die
klassischen Kulturflächen im Garten, lassen sich mit mehr Artenvielfalt
gestalten. So können selbst exotischere Arten schön und sinnvoll
mit heimischen Wildstauden ergänzt werden. Landschaftsgärtner
achten vor allem darauf, dass in Beet und Rabatte das ganze Jahr über
etwas blüht - zur Freude der Besitzer, aber auch als Einladung an
Schmetterlinge und Bienen, die dadurch über einen möglichst
langen Zeitraum Nektar und Pollen finden. Weitere Orte für ein pralles
Gartenleben sind eine Trockenmauer mit Pflanzen und Hohlräumen, in
denen sich Eidechsen und Salamander sonnen, oder auch ein von gelben Sumpfdotterblumen
und Kolbengewächsen umrahmter Gartenteich, auf dem malerisch Seerose
und Wasserfeder treiben. Schon bald sausen hier Libellen durch die Lüfte
und wärmen sich Frösche in der Sonne. Auch Kletterpflanzen passen
bestens in einen verwunschen und wild anmutenden Traumgarten und überziehen
Fassaden mit einem schönen grünen Schleier. Warum nicht gleich
die Bepflanzung des Garagendaches in Angriff nehmen? Die ist gut für´s
Auge, für Vögel und für das Klima. High life by nature
- auch mitten in der Stadt!
Text und Foto: BGL
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