Baum
des Jahres 2010
Weiß-Rot-Gold: Der Kirschbaum
Ein Blütenmeer im Frühjahr,
leuchtende Früchte im Sommer, warme Blattfarben im Herbst: Der Kirschbaum
ist einer der schönsten Bäume, die unsere Landschaft prägen.
Und zwar schon sehr lange: Seit mehr als 10.000 Jahren ist die Vogel-Kirsche,
botanisch Prunus avium, in Mitteleuropa heimisch und wird ihre Frucht
als Nahrung genutzt. Dies lässt sich anhand von Kirschkernen nachweisen,
die zum Beispiel am Nordrand der Alpen gefunden wurden und sich auf die
Steinzeit datieren lassen. Schon früh wurde die Kirsche zudem kultiviert
- bereits im vierten Jahrhundert vor Christus - so etwa am Südufer
des Schwarzen Meeres. Von dort gelangten die ersten Kulturkirschen nach
Rom, von wo aus sie sich schnell fast überall in Europa verbreiteten.
Rund 62.000 Tonnen der süßen Früchte wurden 2009 geerntet
- nicht gezählt die Mengen, die in Privatgärten reifen.
Üppig in Weiß
Noch bevor sich das Laub zeigt,
öffnet die Vogelkirsche meist im April ihre Blüten: Die über
und über mit einer hauchzarten Blütenwolke bedeckte Krone ist
weithin sichtbar und wirkt leicht und ätherisch, leuchtet sie doch
strahlend weiß durch die ansonsten um diese Jahreszeit noch kahlen
Baumbestände. Rund eine Million Blüten wurden schon auf einem
einzigen Baum gezählt!
Vor allem in Japan gilt die weiße Pracht als Vorbote des Frühlings
und wird im "Hanami" (Kirschblütenfest) mit der ganzen
Familie, mit Freunden oder Kollegen gefeiert. Auch mancherorts in Deutschland
sind der Schönheit der Kirschblüte Feste gewidmet. Je nach Wetter
blüht der Kirschbaum nur eine Woche - dies macht das Blütenmeer
ebenfalls zu etwas Besonderem. Wenn keine Spätfröste seine fragilen
Blüten bedroht, sammelt der Kirschbaum in den folgenden Wochen Kraft,
um seine Früchte zu entwickeln. Süßkirschen werden vor
allem in Baden-Württemberg angebaut, wo das Klima gemäßigt
ist. Weitere Anbaugebiete sind Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen,
Niedersachsen und Bayern.
Prall in Rot
Insgesamt werden in Deutschland
auf 5.430 Hektar Süßkirschen erzeugt. Ab Juli ist es dann soweit:
die reifen Früchte können geerntet werden. Die rot-schwärzlichen
Früchtchen der wilden Vogel-Kirsche sind kugelig und etwas mehr als
erbsengroß. Sie wachsen an langen Stielen und schmecken bittersüß.
Das macht sie bei Vögeln beliebt, die im Gegenzug dafür die
Verbreitung des wilden Gehölzes übernehmen. Der Kirschkernbeißer
- ebenfalls ein Vogel - tut diesen Gefallen nicht, bevorzugt er doch vor
allem das harte Innere der Frucht. Bei den Süßkirschen gibt
es Hunderte von Sorten, die zu unterschiedlichen Zeiten im Sommer blühen.
Zwischen den frühen und den späten Sorten liegen etwa acht Wochen!
Man unterscheidet zwischen den weichfleischigen, saftigen Herzkirschen
(Prunus avium subsp. juliana) und den knackigen Knorpelkirschen (Prunus
avium subsp. duracina). Herzkirschen haben eine besonders dunkle Farbe,
während Knorpelkirschen eher rötlich-gelb ausreifen. Als wichtigste
Zutat der Schwarzwälder Kirschtorte oder der Roten Grütze sind
beide geeignet! Oder aber man nascht sie direkt vom Baum. Die Früchte
sind jedoch nicht nur lecker, sondern darüber hinaus auch gesund:
Kirschen enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe wie Kalium und Eisen
und sind dabei fast kalorienfrei. 100 Gramm Kirschen haben nicht einmal
60 Kilokalorien.
Feurig in Gold
Wenn die Tage kürzer werden
und die letzte Kirsche längst geerntet ist, beginnen sich die Blätter
des Kirschbaums zu verfärben: eindrucksvoll leuchten sie in warmen
Goldtönen, rot und orange. Sogar im Winter ist das Gehölz noch
reizvoll: Die Rinde kann eine charakteristische dunkelrot oder graubraun
glänzende Oberfläche entwickeln und ringelt sich wie bei der
Birke waagerecht vom Stamm. Die am Boden liegenden Kirschkerne dienen
Dachsen und Mäusen als Wintervorrat. Mancher Kern bleibt dabei übrig
und trägt dazu bei, den Kirschbaum weiter zu verbreiten. Darüber
hinaus könnte der Vogel-Kirsche auch ihre Toleranz gegenüber
Hitze und Trockenheit beim derzeitigen Klimawandel helfen, größere
Areale zu besiedeln.
Weitere Informationen zur Kirsche,
dem Baum des Jahres 2010, erhalten Sie auf www.baum-des-jahres.de .
Text und Foto: IDgS
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