Frans
Roozen - Professor Tulpe
Profession und Leidenschaft dicht beieinander
Frans Roozen, Technischer Direktor
des Internationalen Blumenzwiebel Zentrums im niederländischen Hillegom,
beschäftigt sich sein Leben lang mit Blumenzwiebeln und Zwiebelblumen
und ist mitten im Blumenzwiebelgebiet zuhause. Er bereist den Globus,
hält international Vorträge und trotz seiner beruflichen Karriere
lässt er es sich auch heute nicht nehmen, persönlich Jahr für
Jahr mit ansteckender Leidenschaft Journalisten auf Feldern und Gärten
die Welt der Blumenzwiebeln und Zwiebelblumen zu erklären. Für
Hunderte von grünen Journalisten aus aller Herren Länder ist
Frans Roozen seinem rosigen Namen zum Trotze seit 30 Jahren Mr. Bulb oder
Professor Tulpe.
Wir sprachen mit ihm am
Vorabend seiner Japanvortragstournee über Tulpen.
Herr Roozen, was fällt
Ihnen zu Tulpen ein?
Eine Vielheit Farben, eine
enorme Variation an Formen, ein echtes Frühjahrsgefühl und vor
allem ein feiner Duft.
Duft und Tulpen, das ist
doch ungewöhnlich. Es gibt doch viele Blumen, die für ihren
Duft berühmter sind als ausgerechnet Tulpen, oder?
Das mag sein. Aber der Duft
von Tulpen ist auch ein sehr spezieller. Er ist so frisch, so natürlich,
so unkompliziert. Der Duft einer Rose kommt schwer daher, eine Lilie kann
auch einen sehr komplizierten Duft haben, aber der Duft von Tulpen hat
nie etwas Aufdringliches. Natürlich duften nicht alle Tulpen gleich
stark, die Gefüllten duften reicher als die Einfachen, aber dennoch
kann man sich auch die Einfachen erschnuppern, wenn man sich etwas Mühe
gibt.
Ihre Lieblingstulpe?
Das ist die 'Ballerina'. Eine
feine, orangefarbene, lilienblütige Tulpe, die sich auch in der Vase
wie eine Tänzerin benimmt und auch so duftet. Sie ist nicht die ganze
Saison über erhältlich, sondern blüht spät, erst ab
der zweiten Hälfte Februar. Eine wunderbare Tulpe.
Und so lange es diese Tulpe
nicht gibt, welche ist es dann?
Die gefüllt blühende
'Angelique' für mich auf meinem Schreibtisch und als mutiges Geschenk
für eine Frau die gefranste, wilde, rosafarbene 'Lingerie'. Ja, die
Sortennamen der Tulpen sprechen auch für sich.
Wann fängt für
Sie die Tulpensaison an?
Nach Weihnachten. Der Advent
ist bei uns zu Hause bestimmt von Hyazinthen auf Gläsern und dicken
Amaryllisblüten. Mit den Tulpen fangen wir erst nach den Feiertagen
an. Dann sehnen wir uns auch mit den Blumen dem Frühjahr entgegen,
und Tulpen gibt es bei uns im Haus dann bis Ostern, dann werden sie von
den Narzissen abgelöst und wir wenden uns dem Garten zu. Sobald draußen
die Tulpen in Blüte stehen, haben sie für uns drinnen nichts
mehr verloren.
Und was sind Ihre Lieblingstulpen
draußen?
Ganz andere als drinnen. Draußen
mag ich die dunkle Triumphtulpe 'Ronaldo' und die grünweiße
Viridiflora-Tulpe 'Spring Green'. Im Garten mag ich auch gerne Tulpen,
die nach dem Verblühen Samenkapseln entwickeln wie die clusiana oder
die turkestanica, die bleiben lange stehen und geben vor allem den botanischen
Tulpen einen kostbaren, fragilen Reiz. Ich pflanze sie natürlich
nicht einzeln, sondern in Kombination mit Stauden. Im Garten sind Tulpen
keine Einzelgänger, sie passen gut in Gesellschaft zu anderen Pflanzen.
Wenn Sie sich erinnern,
fällt Ihnen in Ihrer reichen Geschichte ein ganz besonderes Ereignis
ein, bei dem Tulpen ein wichtige Rolle gespielt haben?
Wenn es auch ein trauriger
Anlass sein darf, dann denke ich spontan an die Trauerfeier von Prinz
Claus in der historischen Nieuwe Kerk in Delft. Ganz Holland saß
vor dem Fernseher. Die Kirche war mit Tausenden orangefarbener Tulpen
'Orange Princess' und 'Orange Monarch' geschmückt. Das wirkte wie
ein Gemälde und schaffte eine unglaubliche Atmosphäre, die mich
sehr anrührte. Auf seinem letzten Weg hat man dem Deutschen Prinz
Claus mit Tulpen sichtbar die Ehre erwiesen, dass er einer von uns, ein
Niederländer, war. Besser hätte man es mit Wörtern nicht
sagen können. Aber mir fällt nicht nur diese traurige Geschichte
ein, sondern noch eine kleine von letzter Woche: Ich fahre einen knallroten
Oldtimer und letzte Woche sollte ich damit ein Hochzeitspaar zur Kirche
fahren. Also musste ich mein altes Auto schmücken: Auf der Hutablage
hinter dem Brautpaar habe ich kurzgeschnittene weiße 'Antartica'-Tulpen
arrangiert und dazwischen, symbolisch als die Flamme der Liebe, eine einzige
rote 'Ile de France'. Das sah fantastisch aus und das Hochzeitspaar hat
sich über diesen Blumenschmuck sehr gefreut. Ja, so machen wir das
in Holland.
Wem würden Sie jetzt
gerne einen Tulpenstrauß schenken?
Meiner Frau. Einen Arm voll
'Ballerina'-Tulpen mit Frühlingszweigen.
In was für einer Vase?
Unbedingt in eine Glasvase.
Ich will sehen, wie Tulpen wachsen, außerdem kann man nur in der
Glasvase den Wasserstand ablesen. Tulpen sind aufgrund ihres Wachstums
enorme Säufer, da muss man immer sehen können, dass sie noch
im Wasser stehen.
Herr Roozen, vielen Dank für
das Gespräch.
Text und Foto: IZB
zurück
|